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Die Auszahlungsphase: So kommst du an dein Erspartes

Die spannende Frage kommt am Ende: Wie wird aus dem angesparten Guthaben eine Rente? Die Reform ab 2027 gibt dir hier mehr Freiheit als das alte Riester-System – vor allem, weil kein Zwang mehr besteht, das gesamte Guthaben in eine lebenslange Rente umzuwandeln.

Wann die Auszahlung beginnt

Nach derzeitigem Stand kann die Auszahlung frühestens ab dem 65. Lebensjahr starten – oder sobald du deine gesetzliche Altersrente bzw. Pension beziehst. Bis dahin bleibt dein Guthaben in der Ansparphase. Zu Beginn der Auszahlung kannst du dir einmalig bis zu 30 Prozent deines Guthabens auf einen Schlag auszahlen lassen; der Rest wird laufend ausgezahlt.

Zwei Wege, dein Guthaben zu beziehen

Der befristete Auszahlplan. Dein Guthaben bleibt investiert und wird in regelmäßigen Raten an dich ausgezahlt – mindestens bis zu deinem vollendeten 85. Lebensjahr. Weil das Geld weiter am Kapitalmarkt arbeitet, kann die monatliche Auszahlung steigen, wenn weiter Rendite erwirtschaftet wird. Du bleibst flexibel, und nicht verbrauchtes Kapital ist vererbbar.

Die lebenslange Rente. Dein Anbieter rechnet das Guthaben in eine feste monatliche Zahlung um, die bis zu deinem Lebensende läuft – egal, wie alt du wirst. Diese Zahlung ist planbar und kann nicht „ausgehen“.

Du musst dich nicht schon heute festlegen: Anders als bei manchen alten Riester-Verträgen gibt es keinen Verrentungszwang. Sehr kleine laufende Beträge dürfen zudem als sogenannte Kleinbetragsrente in einer Summe ausgezahlt werden.

Depot oder Versicherung – der Unterschied zeigt sich bei der Auszahlung

In der Ansparphase wirken ein Wertpapierdepot und eine fondsgebundene Versicherung auf den ersten Blick ähnlich. Der eigentliche Unterschied wird erst in der Auszahlungsphase deutlich – und dreht sich um eine einzige Frage: Wer trägt das Risiko, sehr alt zu werden?

Beim Auszahlplan aus einem Depot bleibt dein Kapital investiert und flexibel verfügbar. Der Plan ist allerdings planmäßig endlich: Das Risiko, das eigene Kapital zu „überleben“, trägst du selbst. Zudem wirken sich Kursschwankungen weiter aus, weil das Geld am Markt bleibt.

Bei der lebenslangen Rente aus einem Versicherungsprodukt übernimmt der Anbieter das Langlebigkeitsrisiko: Die vereinbarte Zahlung läuft garantiert bis zum Tod. Diese Sicherheit hat einen Preis – die Kalkulation über einen Rentenfaktor fällt oft vorsichtig aus, die Flexibilität ist geringer, und die Kosten im Versicherungsmantel sind in der Regel höher.

Wichtig: Das ist keine reine Entweder-oder-Frage nach dem Produkt-Etikett. Auch aus einem Depot lässt sich grundsätzlich eine lebenslange Rente wählen, und es gibt fondsgebundene Rentenversicherungen, die wie ein Depot aussehen, aber einen Versicherungsmantel mit zusätzlichen Kosten mitbringen. Entscheidend ist die Auszahlungslogik, die zu dir passt – maximale Flexibilität und Vererbbarkeit oder maximale Planungssicherheit bis ans Lebensende. Wie sich Depot und Versicherung schon in der Ansparphase unterscheiden, zeigt unser neutraler Vergleich Depot vs. Versicherung.

Was im Todesfall passiert

Beim Auszahlplan ist noch nicht ausgezahltes Kapital grundsätzlich vererbbar. Die staatliche Förderung bleibt dabei aber nur vollständig erhalten, wenn das Guthaben auf einen eigenen Vertrag deines überlebenden Ehepartners übertragen wird – oder als Waisenrente an kindergeldberechtigte Kinder fließt. Erben andere Personen, bleibt das Kapital im Nachlass, die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile sind dann aber zurückzuzahlen.

Bei der lebenslangen Rente ist es umgekehrt: Eine reine Rente ohne Zusatzbausteine endet mit dem Tod – nicht verbrauchtes Kapital bleibt in der Versichertengemeinschaft. Genau das ist der Mechanismus, der die lebenslange Garantie überhaupt finanziert. Wer auch hier etwas vererben möchte, kann Zusatzoptionen vereinbaren – etwa eine Rentengarantiezeit, bei der die Rente im Fall eines frühen Todes bis zum Ende der Garantiezeit an die Hinterbliebenen weiterläuft, oder einen Hinterbliebenenschutz. Solche Bausteine senken allerdings die eigene monatliche Rente.

Vererbung ist also auf beiden Wegen möglich, folgt aber einer gegenläufigen Logik: Beim Depot ist sie der Normalfall (mit Förder-Einschränkung außerhalb des Ehepartners), bei der Versicherung eine bewusst hinzugewählte Option, die etwas Rente kostet.

Wie die Auszahlung besteuert wird

Die geförderte Altersvorsorge funktioniert nachgelagert: Während des Ansparens bleiben deine Beiträge und die Erträge steuerlich begünstigt, dafür werden die Auszahlungen später als Einkommen versteuert – mit dem individuellen Steuersatz, der im Rentenalter gilt. Weil das Einkommen im Ruhestand für viele niedriger ausfällt als im Berufsleben, kann daraus ein Steuervorteil entstehen. Wie hoch er im Einzelfall ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab.

Im direkten Vergleich

KriteriumAuszahlplan (Depot-Prinzip)Lebenslange Rente (Versicherungs-Prinzip)
Dauermindestens bis zum 85. Lebensjahrbis zum Lebensende
Langlebigkeitsrisikoträgt der Sparerträgt der Anbieter
Kapital bleibt investiertja, Renditechance in der Auszahlungüberwiegend nein (feste Zusage)
Flexibilitäthochgering
Im TodesfallRestkapital vererbbar; volle Förderung aber nur bei Übertrag auf Ehepartnernur mit Zusatzbaustein (z. B. Rentengarantiezeit) – senkt die eigene Rente
Kostentendenziell niedrigerVersicherungsmantel, tendenziell höher
PlanungssicherheitZahlung kann schwankenfeste, planbare Zahlung

Mehr zur Förderung während der Ansparphase findest du auf unserer Übersichtsseite zum Altersvorsorgedepot.

FAQ: Auszahlungsphase

Muss ich mein Guthaben in eine lebenslange Rente umwandeln?

Nein. Anders als bei manchen alten Riester-Verträgen gibt es keinen Verrentungszwang. Du kannst zwischen einem befristeten Auszahlplan (mindestens bis zum 85. Lebensjahr) und einer lebenslangen Rente wählen.

Ab wann kann ich mir die Altersvorsorge auszahlen lassen?

Nach derzeitigem Stand frühestens ab dem 65. Lebensjahr oder mit Beginn deiner gesetzlichen Altersrente bzw. Pension.

Kann ich mir einen Teil auf einmal auszahlen lassen?

Ja, zu Beginn der Auszahlungsphase ist eine einmalige Teilauszahlung von bis zu 30 Prozent des Guthabens vorgesehen.

Was ist bei der Auszahlung der Unterschied zwischen Depot und Versicherung?

Vor allem, wer das Risiko trägt, sehr alt zu werden. Beim Auszahlplan aus einem Depot bleibt das Kapital flexibel und vererbbar, das Langlebigkeitsrisiko trägst du selbst. Bei der lebenslangen Rente aus einem Versicherungsprodukt garantiert der Anbieter die Zahlung bis zum Tod, dafür ist die Lösung meist weniger flexibel und teurer.

Was passiert im Todesfall – kann ich die Altersvorsorge vererben?

Auf beiden Wegen ist Vererbung möglich, aber die Logik ist gegenläufig. Beim Auszahlplan (Depot) ist noch nicht ausgezahltes Kapital grundsätzlich vererbbar; die volle Förderung bleibt aber nur bei Übertragung auf den eigenen Vertrag des Ehepartners (oder als Waisenrente an kindergeldberechtigte Kinder) erhalten, sonst sind Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen. Bei der lebenslangen Rente (Versicherung) endet der Anspruch ohne Zusatzbaustein mit dem Tod; für eine Weitergabe an Hinterbliebene lässt sich eine Rentengarantiezeit oder ein Hinterbliebenenschutz vereinbaren, was die eigene Rente etwas senkt.

Werden die Auszahlungen versteuert?

Ja, nachgelagert: erst in der Auszahlungsphase mit deinem dann geltenden individuellen Steuersatz, nicht während des Ansparens.

Marcel Knoll

Fachautor für private Altersvorsorge

Ausgebildeter Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK), geprüfter Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK), Fachmann für Finanzanlagen (DVA) und Bachelor of Arts in Insurance Management (TH Köln). Er bereitet die Regeln der geförderten Altersvorsorge verständlich, neutral und faktenbasiert auf.

Mehr über den Autor

Hinweis: Diese Informationen sind allgemeine, sorgfältig recherchierte Erläuterungen zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Stand 2026) und stellen keine Steuer-, Anlage- oder Versicherungsberatung dar. Einzelne Ausgestaltungen können sich bis zum bzw. mit dem Inkrafttreten zum 1. Januar 2027 noch konkretisieren. Für deine persönliche Situation wende dich an eine unabhängige Beratung.